Nacktheit, Sex und Scham

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Ich erlebe immer mehr, dass sich in den Schwimmbädern meiner Stadt (noch Dortmund) eine Entwicklung abzeichnet, die alles andere als positiv ist. Das nackte Duschen ist in bestimmten Bädern der Stadt nicht mehr gern gesehen… „Mitbürger fühlen sich dadurch in Ihrer Ehre verletzt“ – so das Badepersonal!

Just kam mir der tolle Beitrag „Projet Nudité“ von Victor van Dijk unter die Augen.

Es scheint ein logischer Auftrag für jede Kultur zu sein, das Genital zu ‚privatisieren‘ – also fürs Bedecken des Genitals zu sorgen, weil manche Reflexe nun einmal sichtbar sind.Victor van Dijk

Aber da kommt mir eine ganz andere Idee…

wenn ich meine sichtbaren Reflexe verbergen möchte, dann sollte ich eine Tüte übers Gesicht stülpen. Denn in meinem Gesichtsausdruck erkennt mein Gegenüber mehr (Freude, Ekel, Sympathie, Abneigung, Langeweile, Hass, Liebe)- als an meinem Genital! Da kann man nur EINEN Reflex sehen…

Da frage ich mich doch wirklich: Sind Nacktheit, Sex und Scham wirklich untrennbar miteinander verbunden?

Tatsächlich gibt es „Wissenschaftler“. Die glauben (wobei ich mich dagegen sträube Wissenschaft und Glaube in einem Satz zu verwenden), dass „es ein archetypischer Aspekt der menschlichen Natur sei, die Geschlechtsorgane zu verschleiern…“.

In vielen Sprachen der Erde ist die „Geschlechts-Zone“ mit gleichbedeutenden Begriffen oft als „Scham-Teile, Scham, Schamzone“ benannt.

Es gibt Wissenschaftler, die sich tatsächlich in der Frage der „sichtbaren Geschlechtsteile“ einem Konjunktiv bedienen, um eine Begründung für die eigene Prüderie zu bilden.

Nach Schätzungen des Biologen J. Illies, würden Kinder, wenn man sie auf einer einsamen Insel in einer Gruppe aussetzen würde, damit sie dort losgelöst vom Einfluss gesellschaftlicher Normen und Zwängen aufwachsen können, den Lendenschurz im Alter von fünf Jahren neu erfinden.

Da irrt die Wissenschaft!

Wer nackte Kinder als „anormal“ betrachtet, ist entweder prüde oder pädophil!

Da hat Herr Illies wohl ein Problem mit der Nacktheit. Als Naturist und Mensch weiß ich genau, dass Kinder unter sich (wenn also keine erwachsene Person den sozialen Kreis stört) kein Problem mit der Nacktheit haben.

Dieser Wissenschaftler hat zu oft „Herr der Fliegen“ gesehen – und geht wohl von einer authentischen Darstellung aus. Richtig ist, dass der Mensch andere Menschen benötigt um ein Schamgefühl zu entwickeln. Unrichtig ist, dass sich dieses Schamgefühl automatisch auf das Genital konzentrieren würde, wenn es sich neu entwickeln könnte!

Die Anfänge waren schamlos

Hier gab es keine Scham wegen Nacktheit. Selbst das auswischen war "öffentlich"!
Hier gab es keine Scham. Selbst das auswischen war „öffentlich“!

Die Römer und davor die Etrusker haben nicht nur öffentlich „geliebt“ sondern auch öffentlich „geschissen“. Man machte auf dem Abort Geschäfte… Wer würde das heute noch machen wollen?

Ein weiterer Gesichtspunkt, den dieser Wissenschaftler wohl vergessen möchte ist: „Scham ist nicht angeboren“!

Der Grund, warum Menschen sich schämen hat einen universellen, gesellschaftlichen Hintergrund, denn bei der Scham geht es um die eigene Angleichung an eine – nicht unbedingt von der Mehrheit getragene – gesellschaftliche Norm.

Ein Leader kann alles versauen!

Oft reicht auch nur ein Leader aus, der eine neue Norm definiert. Dieses Rudeldenken machen sich Unternehmen im Marketing zu nutze, in dem Sie sich auf Schulenplätzen, in Gruppen oder anderen Sozialgefügen „Leader“ suchen, die dann mit Mode, Elektronik oder anderen Produkten ausgestattet werden – damit Ihnen die Masse folgt!

Diese These wird auch durch Berichte gestärkt, in denen sich native Bevölkerungsgruppen sofort bekleiden, wenn Sie Besuch aus der zivilisierten Welt bekommen, wenn dieser Besuch bekleidet ist. Auch wenn seit Jahrhunderten Kleidung innerhalb dieser nativen Gruppe unbekannt war – es nicht einmal ein Wort dafür gab!

Die Individuen dieser Völker fühlen sich sogleich minderwertig gegenüber den „hochentwickelten“ Besuchern und gleichen sich der – wenn zahlenmäßig auch unterlegenden – Übermacht an. Zu Beginn ist es keine Scham, sondern eine Imitation, aus der dann eine Scham erwächst, wenn das imitierte und allgemein akzeptierte Attribut weg fällt. Das muss nicht immer die „geschlechts-verschleiernde Klamotte“ sein!

Es gibt in der Amazonas-Region nackte Stämme, die sich „schämen“, wenn sie keine Bänder um den Arm oder den Knöcheln tragen. Brüste, Geschlechtsorgane, selbst erigierte Penisse sind dort kein Grund zur Scham! Hier wird deutlich, Scham entsteht, wenn es eine Abweichung von dem Standard gibt, der in jeder Kultur anders aussehen kann.

Veränderung der Verlegenheit

Ich wunder mich immer wieder, wie die Haltung gegenüber Nacktheit in unserer humanistischen Kultur sich so durch Zeit und Raum entwickeln konnte.

Im antiken Griechenland war es die Nacktheit, die die Griechen von den barbarischen Völkern unterschieden hat. Natürlich ist es einleuchtend, dass es die Griechen im Mittelmeer-Raum einfacher hatten, während den Barbaren der „Zipfel“ abgefroren wäre, konnten die Griechen ein herrliches, mildes Klima -nackt- genießen.

Herodot bestätigt, dass „unter den Lyder und den meisten fremden Völkern wird es als Schande empfunden, wenn ein Mann nackt zu sehen ist“.

In der antiken Athletik, waren Körper vollständig zu sehen und die nackten Körper der Athleten gaben wichtige Informationen über Kultur und Identität preis. Die Nacktheit gab den physischen Beweis für Disziplin, Kraft und Ausdauer.

Obwohl die „Upperclass“ sich teilweise mit teuren Gewändern schmückten (nicht verhüllten – ähnlich wie die Amazonen mit den Bändern), lief das normale Volk im Adamskostüm.

Die Barbaren:
Wer bekleidet war, hatte Vorteile!

Dann das Gegenteil – in Platons Politeia, erfährt man, dass es für von den „Barbaren“ – gerade für Männer – beschämend und lächerlich war, sich nackt zu zeigen.

Im kalten Norden waren Bärenfell, Leder und Gesichtshaare Zeugnisse eines gesunden und kräftigen Mannes. Ein nackter Mann war gleichzusetzen mit einem armen Mann.

Im warmen Mittelmeerraum war es ein gesunder schlanker und jugendlicher Körper – weil die Notwendigkeit der Kleidung nicht gegeben war.

Die Antike ein FKK Paradies?

„Diomedes und die Nacktheit“ – Der Torso
„Diomedes“

Nein, denn auch die Griechen hatten Ihre Probleme mit der männlichen Nacktheit. Verheiratete Frauen durften den Sportlern nicht zusehen.

Die Eichel des Mannes musste verborgen bleiben – die Vorhaut sogar mit einem Band verschnürt werden und der Penis wurde nach oben gebunden (heute noch im Amazonas-Gebiet zu beobachten).

Eine frei liegende Eichel wurde mit Sex verbunden – oder erinnerte an die Ägypter und Hebräer, die die Beschneidung praktizierten, was von Griechen und Römern gleichermaßen als „unschicklich“ angesehen wurde.

Ideale ändern sich!

Was früher chic war, ist heute mickrig.Nacktheit im Wnadel der Geschichte
Was früher chic war, ist heute mickrig.

Eine Info am Rande: Die Griechen hatten ein, zu heute sehr diverses Schönheitsideal für einen Penis – und die Nacktheit von Frauen spielte eine untergeordnete Rolle. Verkehrte Welt gegenüber Heute!

Die Griechen:
Wer nackt war hatte Vorteile!

Nun hatte bei den Griechen die Nacktheit auch einen praktischen Grund. Im Wettkampf und im Kampf, bei dem es um Schnelligkeit, Geschick und vor allem Beweglichkeit geht, hat die Erfahrung gezeigt, dass es besser ist, sich auszuziehen, als alle Dinge zu verschleiern.

Alleinkampf & Nacktheit
Alleinkampf

Bei dieser Erkenntnis ist auch das Lachen der Barbaren verklungen, nachdem Sie im Kampf unterlagen. Kleidung war durch das Klima einfach nicht notwendig. Man erfror ja nicht, wenn man keine Kleidung hatte.

Heute ist es so, dass die südlichen Völker ein ernstes Problem mit der Nacktheit haben, während die nordischen Völker SPA, Sauna und Freikörperkultur als Lebensart und positives Lebensgefühl verstehen. Verstehe einer die Welt…

Fazit und Grund dieses Beitrages!

Wer im Schwimmbad vor dem Schwimmen und danach nicht vernünftig duscht, ist einfach eine dreckige Sau. Egal wo man herkommt! Nacktsein beim duschen hat nämlich so seine Vorteile! Das gilt vor allem für alle „Neu-Deutschen“, die ein Kulturproblem zu haben scheinen!