FKK, Nudist oder Naturist?

Während einige Menschen einen Unterschied zwischen den Begriffen Nudist und Naturist machen, sind es wiederum für eine mittlerweile grosse Anzahl von Menschen Synonyme, die ein und die selbe Lebensweise beschreiben. Besonders für die Menschen, die sich nicht mir der Freikörper-Kultur beschäftigen gibt es offensichtlich keinen Unterschied zwischen den einzelnen Gruppen.

Aber woher kommen diese unterschiedlichen Bezeichnungen und was nutzen diese der Freikörper-Kultur und dessen Verbreitung? Oder schadet diese Differenzierung?

Wahrscheinlich ist diese „öffentliche“ Verschmelzung der im Grunde unterschiedlichen Begriffe für viele erfreulich, weil es bedeutet, dass sich mindestens zwei Lager zu einander bewegen, was in einer Zeit der schwindenden Mitglieder in den lokalen Vereinen sicherlich nicht schlecht sein kann. Zudem kann eine Verästelung innerhalb einer schrumpfenden FKK Gemeinde nur dazu führen, dass Verwirrung und Irritation um sich greifen und das hilft schliesslich niemandem.

Wiederum ist eine Differenzierung immer dann wichtig, wenn es sich nicht um eine Volksbewegung handelt und es darum geht in der Mitgliederfrage durchaus den einzelnen Individualisten anzusprechen, der sehr wohl kleine aber feine und vor allem wichtige Unterschiede in den einzelnen Gruppierungen sieht.

Laut Wikipedia sind Naturisten und Nudisten gleichzusetzen mit den FKK-Anhängern. Trotzdem gibt es zwischen den Gruppen, wie schon erwähnt, Unterschiede, die sich selbst in der FKK Gemeinde nicht jedem sofort erschliessen.

Fragt man den „gemeinen“ Menschen auf der Strasse, stellt man fest, dass nur wenige in der Lage sind die Unterschiede im genauen zu erklären, trotzdem sind die einzelnen Gruppenbezeichnungen mit mehr oder weniger eindeutigen „Bildern“ in den Köpfen der Menschen stigmatisiert.

Während das Akronym „FKK“ jedem ein Begriff ist und sich bei meinem Gesprächspartnern ein breites Meinungsfeld – zwischen „FKK-Asia-Sauna-Massagestudio“ und dem altbackenden „Deutschen Freikörper-Kultur-Verein“ und der „Nackten Gleichschaltung“ – auftat, gilt der Naturist als „Naturforscher, Sportler und gesunder Familienmensch“.

Den „Nudisten“ sah man eher als Anarchist, der seine „Nacktkultur“ allem zum Trotz durchzieht und nackt durch die Fussgängerzone wandert. Wie kommt es zu diesen Bildern bei der Bevölkerung?

Es ist nachvollziehbar, dass diese unterschiedlichen Begriffe durch die Vielzahl der unterschiedlichen Menschen, die mit Ihrer natürlichen Nacktheit diese Begriffe mit Ihrem individuellem Verhalten prägen, bei dem Aussenstehenden für eine Verwirrung sorgen.

Bei aller Liebe für die persönliche Freiheit und vor allem Freizügigkeit, komme auch ich mit den verschiedenen Bezeichnungen nicht ohne weiteres klar. Aber gerade für Aussenstehende der FKK-Bewegung scheint es durchaus wichtig zu sein dem „seltsamen Kind“ einen eindeutigen Namen zu geben. Im Zuge meiner Rechereche und den Gesprächen, kam ich zu dem Schluss, dass auch ich Klarheit haben möchte.

Die Unterschiede in den Gemeinsamkeiten

Immer wenn sich Menschen selbst die Bezeichnung „Nudist“ oder „Naturist“ geben, haben sie eine Entscheidung für sich getroffen, die sie von den anderen Unterscheiden soll. Trotzdem gibt es da Gemeinsamkeiten, die immer wieder zur Sprache kamen und mir oft wichtiger als die Unterschiede vorkamen.

Der „Nudist“ und der „Naturist“ lebt eine Kultur in der beide eine komune Nacktheit als natürlich, gesund und befreiend ansehen und Nacktheit nicht automatisch mit Erotik oder Sexualität gleichsetzen.

Jedoch habe ich darüber hinaus die Erfahrung machen dürfen, dass bei dieser elementaren Gemeinsamkeit beide Gruppen für sich selbst einen Unterschied zwischen einem „Naturisten“ und einem „Nudisten“ sehen. Bei den Gemeinsamkeiten waren -sind- sich die meisten einig. Wie sieht es aber mit den Unterscheiden aus?

Der Nudist

Stereotypisch, könnte man Nudisten als Personen ansehen, die die gemeinschaftlichen Nacktheit in einer „gleichgesinnten“ Gruppe geniessen und altägliche Handlungen in der Gruppe nicht nur im geschlossenen -privaten Rahmen- nackt absolviert.

Nackt sein in der allgemeinen Öffentlichkeit, in Freizeiteinrichtungen und organisierte „Naktivitäten“ werden genauso praktiziert wie typische Angebote in FKK-Vereinen, Parks und Resorts genutzt. Der Nudist nutzt nackte Kreuzfahrten, radelt mit anderen nackt durch die Innenstädte oder findet sich im Stadtpark wieder, wo er mit grosser und gesunder Selbstverständlichkeit nackt im Sonnenschein badet, Bodypainting betreibt oder fröhlich bei „FKK Discoabende“ auf der Tanzfläche zappelt – natürlich nackt.

Wie sich in der eigenen Bezeichnung „Nudist“ wiederspiegelt, ist das „Nacktsein“ für den Nudisten das Hauptaugenmerk bei seiner gesellschftlichen Aktivität, die er nicht auf ausgewiesene Areale, Zeiten oder geschlossene Vereinen beschränkt. Der Nudist scheint in den Augen meiner Gesprächspartner eher ein „Individualist in der Gruppe“ zu sein, dem es bei seiner Aktivität durchaus auf seine Selbstverwirklichung ankommt.

Der Naturist

Naturisten werden auf der anderen Seite als umweltbewusste „Gemeinschaftstypen“ angesehen, die ihre Freizeit lieber im freien und im Rhythmus der Natur verbringen. Naturisten scheinen eher Regelwerke zu akzeptieren, scheinen sich in einer Gemeinschaft einordnen zu können und legen wohl mehr wert auf das „WIR“ Gefühl.

Der Naturist legt wert auf gesunde Ernährung sowie Ruhe und den eigenen Freiraum. Ebenso geht er, nach der Meinung meiner Diskussionsteilnehmer, mit den Hühnern ins Bett und steht mit dem krähen des Hahnes auf. Er ist eine politische Person und interessiert sich für gesellschaftliche Themen.

Der wichtigste Aspekt in der Unterscheidung war das Argument der Familie. Fast einstimmig war zu vernehmen, dass der „Naturist“ ein Familienwesen sein muss und mindestens ein Kind hat. Meine Gesprächspartner sahen „Naturisten“ fast ausschliesslich Urlaub auf Campingplätze machen und auf offenem Feuer kochend.

Warum dieses Diskussion?

Immer wieder kommt es vor, das Naturisten sich innerhalb der FKK Kultur ganz bewusst von den Nudisten unterscheiden wollen. Wenn man sich als Naturist bezeichnen will, bedarf es wohl mehr als das „Nacktsein bei alltäglichen Dingen“.

In den USA hatten Nudisten für sich das Label „Naturist“ entdeckt, weil dieses weit weniger unter einer sozialen Stigmatisierung leidet als das Wort „Nudist“.

Aufgrund der hitzigen Diskussion – die wiederum von Naturisten ausging – über den vermeintlich unkorrekten Gebrauch des Wortes „Naturist“ hat sich vor relativ kurzer Zeit ein neues Wort in den Sprachgebrauch der Amerikaner geschlichen: „ClothesFree“ – übersetzt: „Kleider-frei“.

Dort hat man durch eine -vielleicht zu sehr ideologische- Diskussionsführung schnell verstanden, dass der „Naturismus“ sehr wohl ideologischer zu betrachten ist, als der „Nudismus“ und sich von der Grundidee her schon zu unterscheiden versucht.

Beim „Naturismus“ geht es nicht um ein individuelles Recht auf Nacktheit um jeden (gesellschaftlichen) Preis. Daher kann im „Naturismus“ auch nicht jeder wie er will. Vielmehr muss ein Konsens auf Grundlage gemeinsamer Werte in einer Gruppe/ Gesellschaft gefunden werden.

Wo Idealismus fehlt, fehlen auch Werte. Wo er dominiert, werden die Werte oft zu Dogmen.

Es geht beim „Naturismus“ nicht um das Recht seinen Alltag nackt bestreiten zu können, oder beim FastFood Riesen nackt in der Schlange stehen zu dürfen.

Wir brauchen also, wie überall, ein gesundes Maß. So ist auch der Naturismus nur ein Entwurf, menschliche und gesellschaftliche Beziehungen mit Anstand, Respekt und Würde für jeden einzelnen in einer natürlichen und stressfreien Umgebung zu gestalten. Auch für die, die sich nicht in der Idee der FKK-Kultur wieder finden.

Am Ende stand Ratlosigkeit

Klar wurde mir bei der Recherche nur eins. Die Menschen wollen keinen „Gleichgeschalteten“ FKK, sondern legen Wert darauf sich voneinander zu unterscheiden; auch wenn die Unterschiede noch so gering sind. Ganz vorne bei der Diskussion sind die Menschen, die sich selbst als „Naturisten“ bezeichnen und sich nicht mit den „Nudisten“ in einen Topf geworfen wollen werden.

Unterm Strich kann man sagen, wer das Leben in der FKK-Kultur entdecken will und vielleicht darüber nachdenkt sich einem örtlichen FKK-Verein anzuschliessen, muss sich im Grunde keine Gedanken über diese unterschiedlichen „Kulturentwürfe“ machen.

Man wird eh Menschen aus allen Lagern treffen und schnell feststellen, dass „Nudist“ und „Naturist“ im praktischen Leben schnell zu austauschbaren Begriffen werden, vor allem dann, wenn man es mit den realen Menschen hinter den „Etiketten“ zu tun hat.

Es sind trotz der Unterschiede in den einzelnen Gruppen Menschen die in erster Linie einen ähnlichen Lebensstil mit den weitgehend gemeinsamen Werten, Überzeugungen und Philosophien vorweisen.

Die Tatsache bleibt, egal was eine Person anzieht oder auszieht, ob sie lieber das Label „Naturist“, „Nudist“, „ClothesFree“ oder „Nacktivist“ für sich selber nutzt. Ob sie allein nackt auf der Wiese im Wald sitzt oder gemeinsam mit Freunden nackt in der Flensburger Altstadt Fahrrad fährt. Sie sind alle ein Teil der -leider- schrumpfenden FKK-Kultur.

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