Necropolis: Tarquinia (8. August 2009)

Tarquinia zählte zu den ältesten und mächtigsten Städten der Etrusker. Es erstreckte sich nördlich des Gebietes von Caere (dem heutigen Cerveteri) und umfaßte den Küstenstreifen zwischen der Mündung des Mignone und der des Arrone, sowie das Gebiet zwischen dem Bracciano- und dem Bolsenasee im Inneren.

Der Sage nach wurde es von Tarchon, einem Bruder oder Sohn jenes legendären Tyrrhenus gegründet, der die Etrusker aus Lydien in Kleinasien nach Etrurien führte.

Aus einer anderen Sage geht hervor, daß Tarquinia auch im Hinblick auf seine religiöse Bedeutung alle anderen Etruskerstädte übertraf.

Sie erzählt von der geheimnisvollen Geburt eines Kindes mit der Weisheit eines Alten, der das Volk von Tarquinia die hohe Kunst lehrte, aus den Eingeweiden der Opfertiere die Zukunft zu deuten.

Die Geschichte der Stadt mag interessant sein, jedoch ist das Gräberfeld vor den Toren der Stadt um vieles interssanter. Nicht nur, weil man die herrlichen Fresken in aller Ruhe studieren kann, sondern auch, weil es dort Gräber gibt, die der heutigen FSK-Freigabe nicht standhalten würden.

So toll kann Tot sein!

Tarquinia ist die Heimat von etruskischen Gräbern aus den Jahren 700 v. Chr. – viele von ihnen gemalt für die Ewigkeit mit reißerischen Fresken, wilden und exotische Tiere und Szenen der Etrusker die dem Tanz, Kampf und der körperlichen Liebe frönen.

Während die Standorte von über 150 bemalten Gräber bekannt sind (nicht alle für die Öffentlichkeit zugänglich), wird angenommen, dass es mehr zu entdecken gibt.

Jedoch leiden die Gräber durch Ihre Öffnung unter Feuchtigkeit und Licht. Ich hoffe, dass die unentdeckten Gräber auch weiterhin unentdeckt bleiben. Schliesslich sind die Wandmalereien nichts für den katholischen Italiener!

Homoerotik & BDSM als Grabeskunst

Spannend ist zu beobachten, dass es durchaus eine Epoche gab, in der die Homoerotik auf der italienischen Halbinsel nicht nur respektiert, sondern gesellschaftlich wohl auch chauffiert wurde.

So viele Bilder und Zeichnungen aus diesen „Jargon“ habe ich in meinem 35 Sommern noch nie gesehen. Wir waren mehr als erstaunt und freuten uns regelrecht, als wir ein Grab eines BDSM Fetischisten entdeckt haben.

Zuerst glaubten wir nicht, was wir dort sahen… so fremd war uns die schamfreie, öffentliche Darstellung, dass mich eine Freundin anstupste um mich beinahe „nebenbei“ auf das gerade „entdeckte“ aufmerksam zu machen.

Hercules??

Wir entdeckten Herkules, welcher in aller Ruhe der Ewigkeit kopulierend mit einem anderen Mann mitten auf einer Wiese stand, als ihn ein Stier mit dem Gesicht des Acheloos zum Kampf herausfordert. In der Regel wurden die Männer in den Gräbern mit dunkler Farbe dargestellt. Frauen hingegen wurden mit weisser Farbe gemalt. Gerade bei diesem Bild ist es nicht ableitbar, ob sich die passive Person als Mann oder Frau bezeichnen lässt.

Italienische Historiker beschwören quasi eine Frau herbei. Seriöse Wissenschaftler (… und das sind alle die, die keine italiener sind!) sind sich aber einig, dass es sich hierbei um einen Jüngling handeln muss. Vor allem aber auch, weil dieses Grab (Tomba dei Tori) eines der archaischen ist und im Stil und in der Ausführung sehr dem griechischem folgt…. Nun, soll jeder sich seine eigenen Fatasien dazu machen…

Nun, die Toten Besitzer der Gräber sind wahrscheinlich nicht davon ausgegangen, dass ihre Gebeine irgendwann in einer Kiste im Museum landen und Ihre geilsten Fantasien zu einem 3 Euro – Touristenmagnet werden würden. Wo bleibt da die PRIVACY???

Besonders bei den Gräbern die auf den ersten Blick völlig normal aussahen und sich erst auf dem zweiten Blick die Botschaft in den Reigen der tanzenden Jünglingen zeigt. So hatte dieses Grab nicht eine erektionslose Darstellung zu bieten.

Wir mussten es den Kindern gar nicht erklären, denn sie hatten dies alles gar nicht entdeckt. Die Fische im Brunnen der Grabesanlage waren eh viel interessanter als die kleinen Etruskerpimmelchen.

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