L’Aquila. Sechs Monate später

6.3 und 27! Diese Zahlen der Woche wurde an diesem schrecklichen Tag, den 6. April 2009 geboren. Mit einer zeitlichen Distanz von 6 Monaten habe ich mir die Wunden der Stadt gestern angesehen um selbst zu erfahren, was sich in der einst so grossarteigen Stadt alles verändert hat. Eines steht nach meinem Ausflug in die Stadt der lebenden Ruinen fest. Geändert hat sich nichts.

Das Erdbeben in den Abruzzen ist noch nicht vorbei. Immer wieder spürt man den einen oder anderen Schlag. Immer wieder kann – auch nach 6 Monaten – ein verherrendes Erdbeben das Leben der Menschen in L’Aquila oder sonstwo schlagartig verändern. Sicher ist nur, dass es keine Sicherheiten gibt.

Das Beben, dass L’Aquila im April erschüttert hat führt nach Meinung renomierter Wissenschaftler ohne weiteres zu weiteren Beben. Nicht das Hauptbeben hat L’Aquila zerstört, es war das letzte grosse Vorbeben.

Im Moment wird das von allen Seiten verschwiegen. Ähnlich wie die Kommunikationspolitik über die Bedeutung vom Vesuv, den phlegräischen Felder und der Solfatara lässt man die Menschen in L’Aquila munter an Ihren Häusern bauen.

L’Aquila, eine Zone die nach wissenschaftlicher Meinung überhaupt nicht bewohnt werden dürfte. Manchmal Frag ich mich, ob das, was die Politiker in den nächsten Jahren erwarten so viel schlimmer sein wird, als das was uns erreicht hat. So schlimm dass Sie über die aktuellen Gefahren hinwegsehen und sie ignorieren? Spielen denn die möglichen Opferzahlen in L’Aquila keine Rolle mehr? Was wird in den nächsten Jahren noch alles passieren?

Eine interessante Studie über das Erdbeben von L’Aquila wurde am „Geophysical Research Letters“ veröffentlicht und trägt die Unterschrift von Wissenschaftlern aus den Universitäten Oxford, Cambridge, Edinburgh, University College London und dem Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie in Rom.

Frei zugänglich ist wohl nur die Zusammenfassung dieser Untersuchung – jedoch reicht dieses schon um hellhörig zu werden. In der Zusammenfassung erfährt man, dass die Ursache für das Erdbeben in der „Paganischen Verwerfung“ zu finden sei, und auf dieser Grundlage kann man die Veränderungen in der Spannung und die Störungen der weiteren nahegelegenen Verwerfungen errechnen.

Ergebnis in der Tat: Viele dieser Verwerfungen sind näher zu den oberen Sedimentschichten gewandert – der Untergrund in den Abruzzen wurde geweitet wie der Muttermund einer schwangeren, kurz vor der Entbindung. Die Erde in den Abruzzen ist also in Bewegung. Wie kann man also davon ausgehen, dass das Erdbeben in den Abruzzen gewesen ist. Es ist noch immer und wird weiterhin sein!

Meiner Meinung nach sollte das jemand den Menschen in den Abruzzen mal erklären. Sie sollten es wissen um sich vorbereiten. Ich erinnere mich an einen Artikel von Massimo Gallucci. Ein Mediziner, der am 6. April in L’Aquila verletzt wurde und einen Artikel verfasste, der rund um die virtuelle Welt, dem Web reiste.

Nach seiner Schilderung wurden Berge von Beschwichtigungen und Falschaussagen von den Behörden verteilt damit die Menschen, die offensichtlich Monate vor und nach dem Beben vom 6. April mit Erdstößen gelebt – und diese ignoriert haben – beruhigt werden.

Gallucci hat ja genügend darauf hingewiesen, dass der Unterschied zwischen Alarmschlagen und und Alarm geben jener ist, der die Menschen in eine bessere Position bringt, um mit der (Gefahren)-Situation fertig zu werden.

Gallucci sagte:

„Wenn ich eine Taschenlampe auf dem Nachttisch gehabt hätte, hätte ich mir nicht den Rücken gebrochen. Mit dem Handy in der Hand hätte ich schneller Hilfe für mich und die anderen in meinem und dem Nebengebäude rufen können.“

Alles wäre besser verlaufen, wenn in dieser Nacht in L’Aquila die Autos nicht auf der Strasse geparkt hätten, wenn Türen und Tore nicht verschlossen gewesen wären und wenn Schlafzimmer besser geschützt gewesen wären. Wenn, wenn, wenn …

Prävention wird in Italien anders verstanden als im Rest der Welt. Italien, das Land der Ewigkeit lernt einfach nicht aus der Geschichte (Cesar, Berlusconi, Fiat, Parmalat etc.)

Ich denke, Prävention ist mehr als mit dem Aufbau der zerstörten Häuser zu reagieren und kleine Kinder vor den Kameras zu küssen. Prävention bedeutet eine „Kultur des Erdbebens“ zu schaffen und zu verbreiten.

Genau das fehlt, dass sich die Menschen bewusst werden, dass Sie auf einer riesigen Erdverwerfung leben und dass die Erdschläge jeden Tag aufs Neue kommen können.

Nur der kann dies überleben, der vorbereitet ist. Ansonsten sterben die Menschen in der dieser Region wegen den gleichen Fehlern wie am 6. April 2009.

Lassen wir Bilder sprechen:

Quellenangabe:

  • http://www.agu.org/pubs/crossref/2009/2009GL039337.shtml
  • http://www.repubblica.it/2009/04/sezioni/cronaca/sisma-aquila-5/sisma-lettera/sisma-lettera.html
  • http://blogeko.libero.it/2009/terremoto-in-abruzzo-la-scossa-de-laquila-ha-portato-altre-faglie-piu-vicine-al-cedimento/

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